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Testa­ments­voll­stre­ckung: die Erben auf Kurs halten

Viele Unter­nehmer beauf­tragen eine Vertrau­ens­person mit der Durch­set­zung ihres letzten Willens. Wer für die Zeit nach seinem Tod alles perfekt regeln will, sollte Anwalt und Steu­er­be­rater bei der Auswahl des Testa­ments­voll­stre­ckers einbe­ziehen.

Text: Harald Klein


Kernkom­pe­tenz der Draht Center Stutt­gart GmbH ist die Sicher­heit. Kommunen, Betriebe oder Privat­kunden schützen mit Zäunen, Toren und Sicht­schutz­an­lagen von DCS ihre Gebäude und Grund­stücke vor unbe­fugtem Eindringen oder vertei­digen die Privat­sphäre. Großen Wert auf Sicher­heit im über­tra­genen Sinn legt Geschäfts­füh­rerin Ute Ortlieb auch über ihren Tod hinaus. Regel­mäßig prüft sie, ob ihr Testa­ment der aktu­ellen Lebens­si­tua­tion ange­passt ist und die Verfü­gungen dafür sorgen, dass das Unter­nehmen gut weiter­ge­führt werden kann oder die Ange­hö­rigen ausrei­chend abge­si­chert sind.

Damit der letzte Wille umge­setzt wird, hat die Indus­trie­kauf­frau ihren lang­jäh­rigen Steu­er­be­rater als Testa­ments­voll­stre­cker einge­setzt: „Je mehr gere­gelt ist, desto ruhiger kann man der Sache entge­gen­sehen.“ Weil sie sich so selbst­be­wusst mit dem Thema Tod beschäf­tigt und intensiv über die Rege­lung des Nach­lasses nach­ge­dacht hat, ist sie über­zeugt, dass ihre Kinder bei der Fort­füh­rung der Firma und privat den best­mög­li­chen Beistand haben. Und falls sich Probleme andeuten: Ihr Steu­er­be­rater weiß genau, was er in seiner Funk­tion als Testa­ments­voll­stre­cker zu tun hat.

Gesetz­liche Erbfolge vermeiden

Auf ähnliche Weise regeln immer mehr verant­wor­tungs­be­wusste Menschen ihren letzten Willen – gerade Unter­nehmer, bei denen Betrieb und Privat­ver­mögen mit durch­dachten Bestim­mungen an die Erben gehen müssen, damit nicht die Exis­tenz der Firma gefährdet wird. Inzwi­schen spei­chert das Zentrale Testa­ments­re­gister der Bundes­no­tar­kammer in Berlin gut 13 Millionen Testa­mente und Erbver­träge. Noch größer ist die Zahl der hand­schrift­lich verfassten letzt­wil­ligen Verfü­gungen. So ein Doku­ment ist von großer Bedeu­tung, wenn der Nach­lass aufge­teilt wird. „Wer seine Vermö­gens­nach­folge nicht der gesetz­li­chen Erbfolge über­lassen will, die oft zu einer Erben­ge­mein­schaft führt, verfasst ein Testa­ment“, betont Professor Andreas Frieser, Vorsit­zender des Erbrechts­aus­schusses beim Deut­schen Anwalt­verein in Berlin.

Eindeu­tige Verfü­gungen treffen

Aber diese privat­schrift­liche oder nota­riell beglau­bigte Auftei­lung des Erbes ist nur der erste Schritt zu einer wasser­dichten Lösung. Wer auf Nummer sicher gehen will, versieht sein Testa­ment mit der Verfü­gung, dass sich ein Testa­ments­voll­stre­cker um den Nach­lass kümmern soll. Diese Vertrau­ens­person muss die hinter­las­senen Anwei­sungen des Erblas­sers ausführen. Mal soll sie nur die Betriebs­nach­folge über­wa­chen, mal den neuen Inhaber eine gewisse Zeit als Geschäfts­führer oder als Beirat unter­stützen. Oft soll sie die Vertei­lung des privaten Vermö­gens begleiten. So könnte etwa ein 50-jähriger verwit­weter Unter­nehmer mit minder­jäh­rigen Kindern verfügen, dass der Testa­ments­voll­stre­cker sich im Falle seines früh­zei­tigen Todes um Firma und Familie kümmert. „Dies ist in der Praxis häufig so gere­gelt, dass die im Testa­ment ange­ord­nete Verwal­tung bis zum Abschluss der Ausbil­dung der Kinder laufen soll, also etwa bis zum 28. Lebens­jahr“, so Frieser. Denkbar sind auch zwei Testa­ments­voll­stre­cker, etwa der Steu­er­be­rater für die Firma und der Anwalt für das Privat­ver­mögen.

Die Vertrau­ens­person will sorg­fältig ausge­wählt sein, denn die Befug­nisse des Testa­ments­voll­stre­ckers sind weit­rei­chend. Er allein verwaltet den Nach­lass, nimmt ihn in Besitz und darf darüber verfügen, also Teile kaufen und verkaufen, nicht aber Vermögen verschenken. Solange die Verwal­tung dauert, sind die Erben von den Verfü­gungen ausge­schlossen. Daher gibt es oft Streit mit Erben, die ihren Anteil verlangen und den Testa­ments­voll­stre­cker bedrängen. Vorzeitig beenden können sie seine Arbeit aber nur über das Nach­lass­ge­richt. Diese Abtei­lung des Amts­ge­richts hat ihm mit dem Testa­ments­voll­stre­cker-Zeugnis die Legi­ti­ma­tion für seine Arbeit ausge­hän­digt und entlässt ihn auf Antrag aus einem wich­tigen Grund wie grober Pflicht­ver­let­zung oder Unfä­hig­keit zur ordnungs­ge­mäßen Geschäfts­füh­rung.

Testa­ment voll­stre­cken lassen

Um Konflikte zu vermeiden, sollten Unter­nehmer jemanden berufen, der die Nach­las­s­auf­gabe schon mal gemeis­tert hat oder in Steuer- und Rechts­fragen bewan­dert ist, also etwa ihren Steu­er­be­rater oder Rechts­an­walt. Außerdem ist der Aufga­ben­be­reich möglichst exakt zu beschreiben. Sicher­lich zu knapp wäre der lapi­dare Satz: „Testa­ments­voll­stre­ckung ist ange­ordnet, ich setze Herrn … dafür ein.“

Für seine Arbeit erhält der Testa­ments­voll­stre­cker ein Honorar. Auch hier sollte der letzte Wille präzise sein. Denn der Begriff „ange­mes­sene Vergü­tung“, den das Gesetz verwendet, ist ausle­gungs­fähig und kann aus Sicht der Erben streit­an­fällig sein.

Praxis­taug­lich ist etwa die Angabe des Stun­den­satzes, den der Experte berechnet, oder der Bezug auf eine Gebüh­ren­ta­belle. Häufig ergibt sich das aus dem lang­jäh­rigen Vertrau­ens­ver­hältnis zwischen dem Erblasser und beispiels­weise seinem Steu­er­be­rater oder Rechts­an­walt, den er im Testa­ment als Verwalter einsetzt. „Bei Steu­er­be­ra­tern kommt das Thema Testa­ment und Voll­stre­ckung häufig am Rande laufender Bespre­chungen auf, etwa zur Bilanz“, so Diplom-Kauf­mann Herbert Mack, Lehr­be­auf­tragter der Dualen Hoch­schule Villingen-Schwen­ningen. Redet der Mandant mit dem Berater über den opti­malen Jahres­ab­schluss und Perspek­tiven für die Firma, geht es schnell auch um die Vorsorge für den Todes­fall. Weil Mittel­ständler ihren Betrieb sowie das private Vermögen oft als mitein­ander verbunden betrachten und der Steu­er­be­rater neben den wich­tigen Zahlen meis­tens auch die Fami­li­en­ver­hält­nisse kennt, hält Mack ihn für eine logi­sche Wahl als Testa­ments­voll­stre­cker. Mit dem Vorteil, dass er bei der späteren Verwal­tung gleich stets die steu­er­li­chen Auswir­kungen berück­sich­tigt.

York Peuckert, Geschäfts­führer der Zentex Erkrath Wakayo Boden GmbH in Erkrath bei Düssel­dorf, sieht das genauso: „Ich kenne meinen Steu­er­be­rater aus Studi­en­zeiten, er ist seit 2000 für mich privat und für die Firma tätig – da liegt es auf der Hand, dass er sich um meinen Nach­lass kümmert.“ Peuckert betreibt das Geschäft mit Boden- und Wand­be­lägen bereits in zweiter Genera­tion. Und obwohl es noch zwei weitere Geschäfts­führer gibt, die sich im Todes­fall vertreten könnten, will er ein ganz­heit­li­ches Betreu­ungs­kon­zept für seine Anteile an der Firma, sein Haus und für das weitere Privat­ver­mögen. „Das setzen wir demnächst im Testa­ment um“, sagt der 48-jährige Selbst­stän­dige, der für seine Frau und zwei Kinder vorsorgen will. Dass sein Steu­er­be­rater den letzten Willen im Todes­fall durch­setzen soll, steht bereits fest.

Krieg unter Erben verhin­dern

Thomas Terhaag vom Deut­schen Steu­er­be­ra­ter­ver­band in Berlin betrachtet das als eine Lösung mit Zukunft: „Steu­er­be­rater werden immer mehr zum Lebens­be­rater mittel­stän­di­scher Unter­nehmer, als ein Baustein der vertrau­ens­vollen Bezie­hung gehören hier Themen wie Testa­ment und dessen Voll­stre­ckung dazu.“ Wichtig sind aus seiner Sicht die Verwal­tung und der Schutz des Vermö­gens vor Erben, die der Unter­nehmer viel­leicht nicht bedacht hat, aber auch die fried­liche Abwick­lung seines Willens in der Familie, denn: „je größer der Patri­arch, desto größer das Vakuum nach seinem Tod.“ Der Testa­ments­voll­stre­cker könne und solle über die Vermö­gens­fragen hinaus verhin­dern, dass Krieg unter den Verwandten entsteht.

Dafür müssen die Weichen recht­zeitig gestellt werden, wie bei Ute Ortlieb: „Ich weiß, dass mein Steu­er­be­rater umfas­send meinen Nach­lass in meinem Sinne regelt – aber der Zeit­punkt der Testa­ments­voll­stre­ckung darf natür­lich gerne noch lange auf sich warten lassen.“

Erfolg­rei­cher Dreis­pung

Diese Punkte gehören zur umfas­senden Vorsorge für den Erbfall

VERFASSEN: Unter­nehmer sollten unbe­dingt ein Testa­ment formu­lieren, das eindeutig regelt, wer welche Teile des privaten sowie des betrieb­li­chen Vermö­gens erhält – und einen Testa­ments­voll­stre­cker benennen, der diesen letzten Willen durch­setzt. Das Testa­ment muss mit der Hand geschrieben und unter­schrieben sein, inklu­sive Ort und Datum. Notare dürfen maschi­nen­ge­schrie­bene Testa­mente beur­kunden.
Am besten sollte der Text erst nach gründ­li­chen Bera­tungen mit Steu­er­be­rater und Anwalt verfasst werden.

VERWAHREN: Sinn­voll ist es, das Testa­ment beim Amts­ge­richt zu hinter­legen, wo es nach Eingang der Ster­be­ur­kunde auf Antrag der Erben eröffnet wird. Auch eine Verwah­rung beim Zentralen Testa­ments­re­gister der Bundes­no­tar­kammer ist möglich.

VERWALTEN: Idea­ler­weise sollte ein Steu­er­be­rater oder Rechts­an­walt als Testa­ments­voll­stre­cker einge­setzt werden, der das Unter­nehmen und die Familie kennt. Er kann mit seiner Arbeit beginnen, sobald das Amts­ge­richt ihm das Testa­ments­voll­stre­cker-Zeugnis ausge­stellt hat.


Bei Fragen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: TRIALOG, Das Unter­neh­mer­ma­gazin Ihrer Berater und der DATEV, Heraus­geber: DATEV eG, Nürn­berg, Ausgabe 01/2017

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