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Betrieb­liche Kinder­be­treuung – Grund zu allge­meiner Freude

Sorgen sich Mitar­beiter um die Kinder­be­treuung, sind sie weniger konzen­triert. Hier können Firmen­chefs mit entspre­chenden Ange­boten gegen­steuern. Auch kleine Unter­nehmen haben durchaus die Möglich­keit, Plätze in einer betriebs­nahen Kita zu stellen.

Text: Midia Nuri


Viele Unter­nehmer sehen unge­nutzte Büros als Last – sie verur­sa­chen nur Kosten. Verena Patrias empfand es als Segen, dass bei der Wheels Logistics GmbH & Co. KG ein Teil des Firmen­ge­bäudes leer stand. So konnte die Area-Mana­gerin der Spedi­tion in Münster ihre Idee zur betrieb­li­chen Kinder­be­treuung für gut 80 Mitar­beiter reali­sieren: „Wir haben uns vom Jugendamt über die Möglich­keiten beraten lassen und um Auskunft gebeten, ob die Räume dafür infrage kommen.“ Mit dem posi­tiven Bescheid begann Anfang 2012 der Umbau, instal­liert wurden unter anderem eine weitere Tür sowie Toiletten und Wasch­mög­lich­keiten in Kinder­größe. Dazu entstand ein Frei­ge­lände mit Sand­kasten und Spiel­ge­räten. Im Oktober ging die firmen­nahe Kinder­be­treuung zur Freude der Ange­stellten los – viele Firmen­chefs kennen die Situa­tion, dass Eltern nach den Sommer­fe­rien um flexible Arbeits­zeiten bitten, da es nicht mit der geplanten Kinder­be­treuung klappt und nun Impro­vi­sieren ange­sagt ist.

Wer Mitar­beiter sucht oder Fach­kräfte ans Unter­nehmen binden will, sollte Ange­bote zur betrieb­li­chen Kinder­be­treuung prüfen. Sie können bei Bewer­bern ausschlag­ge­bend für die Zusage sein und gesuchte Spezia­listen von der Abwan­de­rung abhalten. Das Gründen einer eigenen Einrich­tung und das Bezu­schussen einer ander­wei­tigen Unter­brin­gung der Kinder sollte aber mit Anwalt und Steu­er­be­rater bespro­chen werden. Hierbei gilt es unter anderem zu klären, wie sich die Ange­bote steu­er­lich für das Unter­nehmen als Betriebs­aus­gaben sowie für die Beschäf­tigen als geld­werter Vorteil auswirken. Über­dies könnte eine Förde­rung in Höhe von 9.600 Euro pro Betreu­ungs­platz durch das Bundes­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rium drin sein. Zudem müssen mit dem Anwalt das Geneh­mi­gungs­ver­fahren und mögliche Haftungs­ri­siken oder Versi­che­rungs­pflichten disku­tiert werden.

Schul­fe­rien sind ein Problem

Sind diese Fragen beant­wortet, steht der betrieb­li­chen Kinder­be­treuung nichts mehr im Weg und der Firmen­chef hat ein gutes Argu­ment bei der Mitar­bei­ter­suche. Jeder Dritte der 25- bis 39-Jährigen würde den Job wech­seln, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen, so eine Studie des Bundes­fa­mi­li­en­mi­nis­te­riums. Mit Konzepten für die betrieb­liche Kinder­be­treuung punkten können Unter­nehmen vor allem, weil der seit August 2013 geltende Rechts­an­spruch auf einen Kinder­gar­ten­platz ab dem voll­endeten ersten Lebens­jahr nur auf dem Papier besteht.

In vielen Regionen sind verläss­liche Struk­turen weiter Mangel­ware. Eng ist es zudem nicht nur für Eltern mit kleinen Kindern. Es fehlen auch Ganz­tags­be­treu­ungs- oder Hort­plätze für Fünft­klässler. Und prak­tisch unver­einbar mit dem Beruf sind natür­lich zwölf Wochen Schul­fe­rien – vieler­orts völlig ohne Betreu­ungs­mög­lich­keit.

Betreuung im Betrieb entlastet

Bei Wheels Logistics muss sich darüber niemand mehr Gedanken machen. Zur Betreuung von neun Kindern gibt es jetzt eine soge­nannte Groß­ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tung. „Ein Betriebs­kin­der­garten wäre orga­ni­sa­to­risch zu aufwendig gewesen“, so Patrias. Sie hätte sich auch vorstellen können, Plätze in vorhan­denen Kitas für die Kollegen zu buchen, wären die eigenen Räume als untaug­lich einge­stuft worden – oder den Einsatz selbst­stän­diger Tages­mütter, die das Jugendamt ausbildet. Letzt­lich aber wählte Patrias das „Mini-Betriebs­kin­der­garten“ genannte Modell, in dem sich mehrere Tages­mütter zur Groß­ta­ges­pflege in einer externen Einrich­tung für die Kinder­be­treuung zusam­mentun, in diesem Fall auf dem Wheels-Gelände.

Fünf Plätze stehen Kindern der Mitar­beiter zu, vier Studenten der benach­barten Poli­zei­hoch­schule, mit der koope­riert wird. „Das kam über das Jugendamt zustande und passte zufällig gut“, sagt Patrias. Freie Plätze gehen an externe Kinder. Zwei selbst­stän­dige Tages­mütter haben die Räume vom Unter­nehmen gemietet. Das Geld bekommen sie vom Jugendamt, die Eltern zahlen der Stadt brut­to­lohn- und stun­den­ab­hän­gige Beiträge. Um den Tages­müt­tern die für die relativ langen Öffnungs­zeiten von 7.30 bis 17 Uhr nötige finan­zi­elle Planungs­si­cher­heit zu geben, sicherte Wheels zu, finan­zi­elle Lücken zu schließen, die entstehen, falls ein Platz für ein Mitar­bei­ter­kind frei­ge­halten wird oder Kinder nicht gleich für die ganze Betreuungs­zeit ange­meldet werden.

„Außerdem stellen wir ein Extra­budget für Spiel­zeug, Essen, Obst und Getränke zur Verfü­gung“, so Patrias. Wer sich nicht zutraut, ein derar­tiges Kinder­be­treu­ungs­kon­zept selbst auf die Beine zu stellen, kann einen der mitt­ler­weile zahl­rei­chen Dienst­leister in diesem Bereich einschalten. Zu ihnen gehört Alfons Scheitz. Um für ein Unter­nehmen eine Betriebs­kita in einer ehema­ligen Haus-meis­ter­woh­nung nach dem Vorbild der zuvor für den Eigen­be­darf von ihm ins Leben geru­fenen Kita zu reali­sieren, grün­dete er Impuls Soziales Manage­ment in Kassel – als Verein und als GmbH & Co. KG.

Unter­nehmer müssen handeln

Mit 750 Mitar­bei­tern betreibt Scheitz rund 35 betrieb­liche und öffent­liche Kinder­be­treu­ungs­ein­rich­tungen: „Vom Konzept bis zum Betrieb machen wir alles.“ Über die Fio Consult GmbH werden Mach­bar­keits­stu­dien und Platz­be­darfs­ana­lysen erstellt, aber auch Themen wie Perso­nal­ma­nage­ment oder Quali­täts­stan­dards behan­delt. Es gibt auf die Bedürf­nisse der Kunden zuge­schnit­tene Ange­bote zur Ferien- oder Notbe­treuung im Krank­heits­fall – und der Cate­ring­ser­vice „Kita-Express“ liefert kind­ge­rechte Mahl­zeiten. Ein Firmen­chef kann also viele Wege einschlagen, um seinen Mitar­bei­tern die Kinder­be­treuung zu erleich­tern – wichtig ist, dass er sich in diese Rich­tung bewegt.


Bei Fragen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: TRIALOG, Das Unter­neh­mer­ma­gazin Ihrer Berater und der DATEV, Heraus­geber: DATEV eG, Nürn­berg, Ausgabe 04/2016

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